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12:56:40 - Kirchheim Erleben-Magazin Herbst/Winter 2012

DAS KIRCHHEIMER RATHAUS VON 1722 Zu den schönsten Fachwerkbauten in weitem Umkreis zählt ohne Zweifel das heutige Kirchheimer Rathaus mitten in der Altstadt, dessen Rohbau nach langem Standortstreit mit der herzoglich-württembergischen Verwaltung an einem neuen Platz 1721/22 fertiggestellt wurde. Nach dem Innenausbau wurde der Bau dann ab 1724 als Rathaus, Korn- und Salzhaus genutzt. Der Neubau steht jetzt an der Stelle des abgebrannten Bürgerhauses von 1598, dessen Kelleranlage auch zum Teil übernommen wurde. Der heutige Bau zeigt, abgesehen von den 1950/51 eingebauten Arkaden, weit- gehend noch sein ursprüngliches Gepräge. Das Fachwerk ist – ganz im Sinne des Barocks – so gestaltet, dass die Außenfassaden die statische und räumliche Glie- derung im Innern des Hauses nicht verraten. Dagegen folgen die nach Vorlage antiker Säulenordnungen gestalteten Ecksäulchen der Südfassade noch ganz dem Geiste der Renaissance: „dorisch” im Erdgeschoss, „ionisch” im ersten Obergeschoss und „korinthisch” im 2. Obergeschoss. Erstaunlich schnell, nach nur 17 Jahren, wurde das Fachwerk 1739 wieder über- putzt. Der Geschmack hatte sich deutlich geändert: Massivbauten mit Putzfas- saden waren jetzt modern, so wie beim sogenannten „Stiftshaus” in der Max- Eyth-Straße 42. Mit der Putzfassade war das Rathaus dem ästhetischen Ideal des späten Barock angepasst worden. Diese Maßnahme wirkte als Initialzündung, in deren Folge – auch aufgrund von Brandschutzverordnungen – nahezu alle Fach- werkfassaden in der Kirchheimer Innenstadt schnell hinter Putz verschwanden. Große Wirkung erzielte die Wiederfreilegung des Rathausfachwerkes im Jahr 1905. Man sah das Fachwerk jetzt als ein bedeutendes Merkmal heimatge- schichtlicher Holzarchitektur. 19 DAS SPITALHAUPTGEBÄUDE VON 1692 Das laut Bauinschrift 1692 vollendete Spital gehört zu den eindrucksvollsten Bauten des Wiederaufbaus der Stadt nach dem verheerenden Stadtbrand von 1690. Dabei sind nur die beiden unteren Stockwerke noch original. Das ursprüngliche Dachwerk wurde 1881 umgebaut. Durch Aufstockung erhielt das Gebäude ein zweites Oberge- schoss und aufgrund des veränderten Dachwerks auch neue Fachwerkgiebel. Die an Schmuckelementen ehemals reiche Fassade des 1. Obergeschosses ist nur noch an der Nordseite (Max- Eyth-Straße 18), der Ostseite sowie in der Südostecke erhalten. Sie zeigt an sämtlichen Fenstern Reste der ehema- ligen Fenstererker, deren Ausführung stark an die des Dekanats und Diako- nats erinnern. Von hohem Wert ist auch die in Teilen noch aus der Bauzeit stammende Haupttür mit ihrem barok- ken Zierrat.

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