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Magazin Kirchheim Erleben Frühjahr/Sommer 2011

Wenn ich ehrlich antworten würde, müsste ich sagen: Nein! Denn hinter mir lagen 6 Wochen intensive Betreuung und Pflege meiner Tochter, die eine geistige Behinderung mit starken Verhaltensauffälligkeiten hat. Atemberaubend schön ist das Leben mit unserer Tochter – so intensiv zeigt und ver- schenkt sie ihre Liebe, so witzig und spritzig ist sie, so vie- les hat sie schon gelernt – manchmal erscheint es uns wie ein Wunder. Aber sie ist auch so fordernd und anstrengend. Deshalb freue ich mich auf die Ferienangebote, weil sich die Betreuung meiner Tochter dann auf mehrere Schultern ver- teilt und ich wirklich aufatmen kann.“ In den Freizeiten der Lebenshilfe haben die Teilnehmer die Chance, ihre Ferien mit anderen Kindern und Jugendlichen außerhalb der Familie zu verbringen und neue Kontakte zu knüpfen. Dabei stehen Spaß und Freude im Vordergrund. Ein wichtiger Aspekt ist es jedoch auch, dass dadurch die Selbst- ständigkeit erhöht und das Selbstbewusstsein der Teilneh- mer gestärkt wird. Das Café Paradiesle in der Begegnungsstätte ist ein be- liebter Treffpunkt für alle, die sich auf nette Begegnungen mit anderen freuen. Sieben Teams Ehrenamtlicher wechseln sich Sonntag für Sonntag ab, den Besuchern im Café Paradiesle selbstgebackene Kuchen und Torten, Brötchen und Getränke zu servieren. Die Teams setzen sich aus Menschen mit und ohne Behinderung zusammen. Das Café der Lebenshilfe Kirchheim und des Aktionskreises Behinderte (AKB) hat bereits vor 15 Jahren seine Pforten geöffnet und gehört für viele Kirchheimer schon zur sonn- täglichen Tradition, wie Frau Jung, ein re- gelmäßiger Gast, be- richtet: „Das Café Paradiesle ist eine schöne Bereicherung für die Stadt Kirch- heim. Ich bin immer wieder angetan von Außenklasse an der Eduard-Mörike-Schule in Ötlingen Familie Fekete-Nester berichtet: Letzten September feierte unser geistig behinderter Sohn Sebastian seine Einschulung in einer Außenklasse an der Eduard-Mörike-Schule in Ötlingen. Die ganze Verwandtschaft ist zu diesem Festtag angereist und zusammen mit Sebastian zu seiner Schule hier in seinem Wohnort zum ersten Mal hinge- laufen. Sebastian fand seine Einschulung toll. Es waren viele Bekannte da: Nachbarn, Kinder, mit denen unsere Kleinen in der Krabbel- gruppe waren sowie Freunde vom Kinderturnen. Viele kannten Sebastian schon als Baby und Kleinkind und freuten sich mit ihm, dass er jetzt so ein Großer ist und in die Schule geht. Sebastians Geschwister konnten miterleben, wie er seinen Schulstart in der Schule feierte, die auch sie eines Tages besuchen werden. Für Sebastian war das eine ganz normale Einschulung: Für uns Eltern war dieser Tag der Endpunkt von mindestens zwei Jahren, in de- nen wir Informationen gesammelt, Gespräche geführt und Pläne geschmiedet haben. Wir wollten, dass Sebastian einen soweit wie möglich „normalen“ Weg geht, so wie unsere anderen Kinder später auch. Es gehört zum Elternsein, sich zu entscheiden, welchen Weg seine Kinder in diesem Alter gehen sollen, nur um sich hinterher zu fragen, ob diese Entscheidung richtig war. Diese Frage stelle ich mir jetzt, nach fast einem Schuljahr, nicht mehr. Sebastian ist sehr glücklich in seiner Schule. In seiner Außenklasse ist er derjenige, der am meisten Hilfe benötigt. Er redet noch sehr wenig und ist in jedem Bereich langsamer als alle anderen Kinder – außer beim Ball- und Memory spielen. Das macht ihm aber gar nichts aus. Er fühlt sich in der Schule wohl und wird von den anderen Kindern akzeptiert. Er macht auch plötzlich Entwicklungsfortschritte, die uns erstaunen. Sebastian lernt sehr viel von seinen Klassenkameraden: Seine akademische Leistung wird angespornt und er überrascht uns immer wieder mit dem, was er auch auf dem Pausenhof lernt. Sebastian hat das Glück, dass seine Klasse wohnortnah ist. Die Integration in die Gesellschaft ist für jedes Kind sehr wichtig, für Kinder mit Behinderung noch mehr als für andere. Wenn Kinder sich kennen, stehen nicht Leistungsunterschiede, sondern Sympa- thien im Vordergrund. Durch diese gemeinsamen vier ersten Schuljahre hoffen wir, dass Sebastian einen noch weiteren Kreis Menschen um sich hat, die ihn kennen und schätzen. Der Weg zur Außenklasse ist nicht immer leicht, aber wir hatten das Glück, dabei viel Unterstützung und Hilfe zu bekommen, gerade auch von der Schulleitung der Stammschule in Nürtingen und der Kooperationsschule in Ötlingen. Diese Außenklasse ist ein Pilotprojekt in Kirchheim, ein Pilotprojekt, das zwar von uns in die Wege geleitet wurde aber sofort Unterstützer aus jedem Bereich gefunden hat. Dafür sind wir sehr dankbar. 3131