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Magazin Kirchheim Erleben Herbst/Winter 2010

TITELSTORY Kirchheims Vororte Kirchlich gehörte Ötlingen seit dem Mittelalter zur Martins- pfarrei Kirchheim unter Teck, die hier einen Widumhof besaß. Von einer seit dem 14. Jahrhundert bezeugten Filialkapelle Ötlingen weiß man, dass sie 1539 abgebrochen wurde und das Material beim Festungsbau in Kirchheim unter Teck Ver- wendung fand. Bis zum Bau ihrer neuen Kirche (1597-1600) besuchten die Ötlinger den Gottesdienst in Kirchheim unter Teck, dann predigte der Kirchheimer Diakonus jeden Sonn- und Feiertag in Ötlingen. 1821 erhielt die Gemeinde einen ei- genen Vikar. 1834 wurde sie selbstständige Pfarrei. Um 1800 gewann in Ötlingen der kirchliche Separatismus an Boden. Unter Führung ihres Vorstehers Bidlingmaier wanderten zahl- reiche Ötlinger Separatisten nach Transkaukasien aus. Seit 1635 lässt sich ein eigener Lehrer im Ort nachweisen. Die Schulstube befand sich im 18. Jahrhundert im Erdgeschoss des Rathauses. Das erste eigene Schulhaus entstand 1840 neben der Kirche. Ötlingen Das 1935 nach Kirchheim unter Teck eingemeindete Ötlingen gehört zu den am frühesten genannten Siedlungen. 788 und 792 wird bereits im Lorscher Kodex das Dorf Adiningen er- wähnt. Im 12. Jahrhundert ist der Ort im Besitz der Zähringer; Mitte des 12. Jahrhunderts verpfändete Herzog Bertold IV. von Zähringen „Hetlingen“ an Kaiser Friedrich Barbarossa. Von den Zähringern kam Ötlingen an die Herzöge von Teck. Die grundherrlichen Rechte sind seit dem 14. Jahrhundert in der Hand von Kirchheimer Edelleuten. Die hohe Obrigkeit er- warben die Grafen von Württemberg ebenfalls im 14. Jahr- hundert. Das Frauenkloster Kirchheim unter Teck fasste 1275 in Ötlingen Fuß. Weiteren grundherrschaftlichen Besitz hatten das Kirchheimer Spital und das Barfüßerkloster in Esslingen, das Kloster Denkendorf und Stiftungen der Martinskirche. Bis vor 100 Jahren war die wirtschaftliche Grundlage Ötlin- gens die Landwirtschaft. Die fruchtbare Markung wurde in drei Zelgen angebaut. Der Weinbau ist in Ötlingen seit dem frühen 14. Jahrhundert nachweisbar und hat bis in den An- fang des letzten Jahrhunderts gedauert. 1519 wurde der Ort von den Truppen des Schwäbischen Bundes völlig einge- äschert. Auch im Dreißigjährigen Krieg brannten in Ötlingen 22 Häuser und Scheuern ab; 1643 fiel die Kirche der Plün- derung anheim. Schon 1693 erlitt das Dorf abermals schwe- ren Schaden durch feindlichen Einfall. Nachdem um 1600 die Gemeinde etwa 350 Einwohner hatte, betrug die Einwohner- zahl 1684 lediglich 179 und erreichte erst 1773 wieder 351 Einwohner. Der 1864 erfolgte Anschluss an das Eisenbahn- netz förderte das gewerbliche Leben und zahlreiche Fabrik- betriebe siedelten sich an, so z. B. 1870 die Wollspinnerei Gebrüder Müller. Die Gemeinde hatte zwar einen Schulthei- ßen und eigene Vermögensverwaltung, gehörte aber stets ins Gericht der Stadt Kirchheim unter Teck. Erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde ein eigenes Gericht für Ötlingen ge- bildet. Für 3.750 Gulden kaufte sich die Ge- meinde 1798 von der Leib- eigenschaft frei. 14