Magazin - Kirchheim erleben - Frühjahr/Sommer 2010

14 Mit Markt- und Handelsrechten ausgestattet, mit Stadtbe- festigung, Kirche, Kloster und Spital kann sich die Stadt zu ei- nem Mittelpunkt im Gebiet zwischen Neckar und Alb entwi- ckeln. Nach dem Übergang an Württemberg wurde Kirchheim Amtsstadt und die neuen Herren übertrugen in das Stadtsie- gel ihr Hoheitszeichen, die württembergische Hirschstange. Als Herzog Ulrich von Württemberg 1519 sein Land verlassen musste, büßte Kirchheim die Parteinahme zum angestamm- ten Landesherren mit Plünderung, Brandschatzung und Ab- setzung des Rates. Im sechs Jahre später folgenden Bau- ernkrieg wurden das Kloster und der Adelberger Klosterhof niedergebrannt. Auch die Burg Teck hielt sich nicht und ging in Flammen auf. Seit 1525 ist sie Ruine. Herzog Ulrich erhob nach seiner Rückkehr Kirchheim zur Landesfestung und führ- te 1534 die Reformation ein. Der Bau der Landesfestung hat- te in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts eine rege Bautätigkeit zur Folge. Das Schloss mit Kasematten, Graben und Bastion zeugt noch heute davon. Im 16. Jahrhundert zeitweise Sitz des württembergischen Hofes, diente das Schloss vom 17. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert hinein häufig als Wit- wensitz. Sechs Herzoginnen haben hier ihre Altersjahre ver- bracht. Kirchheim verdankt ihnen manch wohltätige Stiftung. Der Dreißigjährige Krieg mit Einquartierungen, Plünderung und Brandschatzung sowie nachfolgenden Pestjahren brach- te Elend in nicht gekanntem Ausmaß über die Stadt. Die Franzoseneinfälle und der spanische Erbfolgekrieg verur- sachten erneut schwere Zeiten. In diese Zeit fällt auch der große Stadtbrand von 1690, der 257 Häuser und 114 Scheu- nen einäscherte. Nur vier Gebäude blieben unversehrt! Der Wiederaufbau fußte auf einer herzoglichen Bauordnung, die vorschrieb, dass die in gleicher Stockwerkshöhe zu erbau- enden Häuser keine Vorstöße und Erker haben durften. So entstand vor über 300 Jahren das für Kirchheim so typische einheitliche Stadtbild. Um die Wiedererrichtung des Rathau- ses auf dem Marktplatz entspann sich ein bis 1722 andau- ernder Streit, da die herzogliche Regierung den alten Platz nicht mehr zur Verfügung stellte. Die Stadt erbaute deshalb notgedrungen ihr Rathaus, das heute noch zu den schönsten Fachwerkbauten zählt, zwischen 1722-1724 an die Stelle des 1690 ebenfalls abgebrannten Bürgerhauses. Erst die beginnende Industrialisierung des 19. Jahrhunderts brachte für Kirchheim zunächst mit dem Textilgewerbe neu- en wirtschaftlichen Aufschwung. Eine Ansiedlung weiterer Textilfirmen begünstigte der 1819 eingerichtete Woll- markt, der bis 1914 einer der

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